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Mehrsprachig Mehrfarbig ist ein Projekt im Rahmen von "Kinder.Sprachen.Vielfalt", dem Sprachförderprogramm für die Kitas der Lehrerkooperative. Das Projekt wurde im Jahr 2004 in der Internationalen Kita "Gederner Straße" realisiert. Die Projektidee "Mehrsprachig Mehrfarbig" ist der Versuch, die sprachbezogene Arbeit in der Internationalen Kita "Gederner Straße" sichtbar zu machen. Hauptakteure dieses Projekts sind die Schulanfänger. Der Gedanke ist, Sechsjährigen die Begegnung mit Schriftkultur zu ermöglichen. Um eine Perfektion in der Form der Darstellung oder um eine bloße Einübung schriftsprachlicher Ausdrücke geht es nicht.
Von Anfang an sollen die Eltern aktiv als Sprachexperten mitwirken können. Diesem Ziel wollen wir dadurch näher kommen, indem wir einen klaren Schwerpunkt auf schriftliche Mehrsprachigkeit setzen. Farben als Medium sprachlicher Darstellung bieten die Möglichkeit, den Inhalt mehrsprachiger Ausdrücke verständlich und problemlos zu visualisieren. Farben haben eine Bedeutung, indem sie Stimmungen erzeugen, Assoziationen wecken und - hier besteht eine Analogie zur Wirkung von Sprache - Konnotationen, also bestimmte Nebenwahrnehmungen, hervorrufen. Ziele
Als ein Gemeinschaftsvorhaben von Kindern, Eltern und Pädagogen soll das Projekt auch ein Beitrag zur weiteren Sensibilisierung der Eltern für das Schulanfänger-Programm sein. Auswertung Das Projekt "Mehrsprachig Mehrfarbig" startete in erster Linie mit dem Vorsatz, das Konzept bewusster sprachbezogener Arbeit in der Internationalen Kita "Gederner Straße" sichtbar zu machen. Als ein Gemeinschaftsvorhaben von Kindern der Schulanfängergruppen, Eltern und pädagogischen Fachkräften sollte es die Begegnung und Beschäftigung mit Mehrsprachigkeit und Schriftkulturen ermöglichen. Ein derartiges Projekt gab es in unserer Kita bisher noch nicht, und es war zu erwarten, dass die Präsentation der Produkte bei allen beteiligten Gruppen eine Reihe von Reaktionen hervorrufen würde. Reaktionen, Gespräche, Beobachtungen Wie den Protokollen zu entnehmen, gingen die Schulanfänger ihr Projekt mit viel Eifer und Ehrgeiz an. Die für sie ungewohnt lange Planungs- und Durchführungsphase ließ sie nicht ungeduldig werden, da das Projekt von der Diskussion über "ihre" Sprachen bis zum Ausschneiden bzw. Beschriften der Farbkreise abwechslungsreiche Phasen hatte. Die Schulanfänger legten ihre häufig verhaltene Einstellung zur (nicht deutschen) Erstsprache ab, da in diesem Projekt Mehrsprachigkeit zu einer Art Gütekriterium wurde. Besonders stolz waren die Kinder, die zwei Sprachen "vorweisen" konnten. Das einzige Kind, das "lediglich" die Erstsprache Deutsch anzubieten hatte, kam sich im multilingualen Kreis zunächst etwas überflüssig vor, bis es sich aufgrund von Urlaubserfahrungen als Spanisch-Experte versuchte. Untereinander führten die Kinder viele Gespräche über ihre Sprachen. Sie verglichen einzelne Ausdrücke - "grau" heißt sowohl auf französisch als auch auf türkisch "gris" - und versuchten, sich gegenseitig ein paar Worte beizubringen.
Die Eltern der Schulanfänger waren von Beginn an in das Projekt einbezogen. Daher war zu erwarten, dass sie uns eher positive Rückmeldungen geben. Die meisten betrachteten das Ergebnis ausgiebig und konzentrierten sich dabei nicht etwa auf die "formalen Mängel" ihres Kindes, sondern auf die sprachliche Ebene. Andere Eltern, die von dem Projekt erst erfuhren, als sie das Ergebnis sahen, zeigten sich sogar noch erstaunter. Zumindest implizit richtete sich das Projekt auch an die anderen pädagogischen Mitarbeiter; sie sollten ein Beispiel dafür bekommen, dass "Sprachförderung" sich nicht auf eine Vorbildhaltung im gesprochenen Deutsch beschränkt. (Um Missverständnissen vorzubeugen: Die Kollegen gehen die sprachunterstützenden Anregungen im Kindergarten mit sehr viel Interesse und Ernsthaftigkeit an.) Ihr Feedback bezog sich in erster Linie auf den interkulturellen Aspekt des Projekts, der als wichtiges Signal an die Kinder und Eltern gewertet wurde. Über die Notwendigkeit, den Leitgedanken einer Internationalen Kita sichtbar und spürbar zu machen, hat das Team häufig diskutiert. In diesem Projekt scheinen wir eine dafür geeignete Form gefunden zu haben. Bewertung und Ausblick Dieser Modellversuch hat gezeigt, dass sich interkulturelle Arbeit mit Kindern und Eltern durch mehrsprachige Darstellungen realisieren lässt. Diese Erfahrung sollte auch Sicherheit für künftige Vorhaben bieten. Im Gedächtnis behalten sollte man auch die bemerkenswerte Reaktion des spanischsprachigen Mädchens, das "die eigene Stimme" wiederentdeckte. Dieses Kind sprach dem Projekt damit das wohl größte Lob aus und das sollte für die zukünftige Planung genug Ansporn sein. An "Mehrsprachig Mehrfarbig" beteiligten sich Joseph, Ahmed, Tugba, Sroddha, Melissa, Patrik, Nico, Enis und Nino. Herzlicher Dank gilt den Eltern und Kollegen für die Unterstützung. Die Autoren beantworten gerne Fragen zu den Inhalten und zur praktischen Umsetzung des Projekts. Agnes Palusinski |